Geschichte

Russland ist ein Vielvölkerstaat, der sich von Asien bis Europa erstreckt und die europäische Geschichte maßgeblich mitgestaltet hat.

Mittelalter

Mitte des neunten Jahrhunderts entstand entlang der Handelsrouten zwischen Ostsee und Schwarzem Meer ein System von Herrschaften, die sich im Lauf der Zeit zu einer festeren politischen Organisationsform, der Kiewer Rus, entwickelte. Die feudale Zersplitterung der Rus erleichterte es den ab 1223 einfallenden Mongolen, zahlreiche ostslawische Fürstentümer in der „Goldenen Horde“ zu unterwerfen. Moskau aber gewann bis 1380 als neuer Sitz der Rus an Bedeutung und konnte die Region schließlich von der Mongolenherrschaft befreien.

Das Imperium der Zaren

Die ersten Zaren übernahmen die Macht, die ihr Imperium nach Osten und Süden ausdehnten. Einen Neuanfang nach dem Schreckensregiment – unter anderem von Ivan IV. – und einer Zeit der Wirren machte 1613 die Wahl von Romanow, einem Vertreter des Hochadels. Sein Nachkomme Peter I. modernisierte Russland im 17. und 18. Jahrhundert mit harter Hand, baute den Kontakt zu den europäischen Mächten aus und erweiterte sein Territorium. So entwickelte sich Russland zu einem wichtigen Faktor europäischer Politik. Unter den Nachfolgern Peters erfuhr das Reich in Kriegen mit dem Osmanischen Reich nach Süden und durch die polnischen Teilungen nach Westen weitere Ausdehnung. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts spielte das Zarenreich als Gegner des napoleonischen Frankreich, dann als Verbündeter und schließlich Mitglied der antinapoleonischen Allianz eine entscheidende Rolle, die auch bei der Neuordnung Europas auf dem Wiener Kongress 1815 zum Tragen kam. Russland schloss sich in den Folgejahren im Rahmen der „Heiligen Allianz“ mit den konservativen Mächten Habsburg und Preußen zusammen und erlangte auf dem Kontinent als „Gendarm Europas“ eine dominierende Rolle.

Die Zaren und die Freiheitsbewegungen

Den Freiheitsbewegungen jener Zeit stellten sich die Zaren entgegen. Die gesell­schaftlichen Konflikte zwischen Bauern, Arbeitern, Oberschicht und Regierung in Russland traten immer deutlicher hervor. Aus der Ideengemeinschaft der Intelligenzija formten sich politische Gruppierungen, die ein Ende der Zarenherrschaft anstrebten. Bei der Revolution von 1905 bis 1907 gelang es durch den Einsatz von Militär noch einmal, das Zarenregime zu retten. Die Einrichtung eines Parlaments, der Duma, mit sehr beschränkten Rechten und eine Agrarreform setzten neue Veränderungen in Gang. Der Beginn des Ersten Weltkriegs im Jahre 1914 verhinderte, dass diese Maßnahmen ihre Wirkung entfalten konnten. Zar Nikolaus II. dankte 1917 nach einer bürgerlichen Revolution ab und wurde mit seiner Familie 1918 von den Bolschewiki ermordet.

Die Sowjetunion

Aus den Bolschewiki ist unter Lenin die Kommunistische Partei Russlands hervor­gegangen. Die Sowjetunion wurde begründet. Josef Stalin übernahm nach Lenins Tod 1924 die Macht, kollektivierte die Wirtschaft und baute einen umfassenden Repressionsapparat auf. Mehrere Millionen Menschen fielen seiner Diktatur zum Opfer. Die internationale Lage hatte sich durch den zweiten Weltkrieg stark zugespitzt. Deutschland griff 1941 die Sowjetunion an, bis es vier Jahre später von den Alliierten aus West und Ost besiegt werden konnte. Nachfolger Stalins wurde 1953 Chruschtschow, der vor der schwierigen Aufgabe stand die repressiven Strukturen des Stalinistischen Systems abzulösen, ohne die Einparteienherrschaft, die zentrale Planwirtschaft und das Primat des Marxismus-Leninismus zu gefährden. Außenpolitische Misserfolge verstärkten die Unzufriedenheit in den Führungskreisen der Partei, woraufhin 1964 das Zentralkomitee Chruschtschow absetzte und Breschnjew berief. Die 1960er und 1970er Jahre waren von einem Mix aus Entspannung und Ausbau des Imperiums geprägt. Letzterer überforderte die wirtschaftlichen Ressourcen der UdSSR und beschleunigte die innere Krise.
Mit der „Perestrojka“ von Michail Gorbatschow scheiterte 1991 der letzte Reformversuch in der Sowjetunion und endete mit dem Sturz des Systems.

Die Russische Föderation

Nach dem Ende der Sowjetunion erhielten Politik und Wirtschaft die Chance, sich neu ausrichten. Präsident Boris Jelzin reformierte das Land. Die Transformation brachte aber nicht nur Demokratie hervor, auch bestimmte Eliten gewannen an Macht. Seit 2000 nimmt Wladimir Putin wichtige Positionen in der russischen Politik ein: Erst als Präsident, dann als Ministerpräsident und schließlich wieder als Präsident.

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