Geschichte

Die „samtene Revolution“ im November 1989 leitete den Zusammenbruch des Sozialismus in der Tschechoslowakei ein. Im Juli 1992 einigten sich die politischen Führer beider Teilländer auf eine Staatentrennung, was die Geburtsstunde der Slowakischen Republik zum 01.01.1993 bedeutete. Die Anfangsjahre der Republik waren geprägt von der nationalistischen, isolationistischen und antidemokratischen Politik des ersten slowakischen Ministerpräsidenten Vladimír Mečiar. Der Umschwung kam mit dem Regierungswechsel im Jahr 1998. Der neuen bürgerlich-konservativen Regierung unter Ministerpräsident Mikuláš Dzurinda gelang es, marktwirtschaftliche Reformen anzustoßen. Zugleich näherte sich das Land politisch dem Westen an, was in den Beitritt zur NATO und der Europäischen Union im ersten Halbjahr 2004 mündete. Für internationales Aufsehen sorgte zudem eine große Steuerreform, die das slowakische Steuersystem vereinfachte. In Kombination mit einer arbeitgeberfreundlichen Reform des bis dato verkrusteten Arbeitsrechts wurde die Slowakei mit einem Schlag hochattraktiv für Investoren aus Deutschland und anderen Ländern. 

Die Dzurinda-Regierung brach 2006 in Folge einer Korruptionsaffäre auseinander. Aus den anschließenden Parlamentswahlen ging Robert Fico, Chef der sozialdemokratischen Partei Smer-SD, als Sieger hervor. Mit Ausnahme eines vorübergehenden Regierungswechsels in den Jahren 2010 und 2011 lenkte Fico die Geschicke des Landes bis zu seinem Rücktritt 2018. Seine Amtsjahre waren geprägt von der Einführung des Euro im Jahr 2009 und einem wirtschaftlichen Aufschwung. 

Der Mord an dem Journalisten Ján Kuciak im Februar 2018 löste heftige Proteste in der Bevölkerung gegen Filz und Korruption aus, die Fico zum Rücktritt bewogen. Einen vollständigen Austausch der Regierung gab es erst zwei Jahre später, als eine bürgerlich-liberale Koalition ihr Amt antrat mit dem Versprechen, die demokratischen Institutionen zu stärken und Korruption konsequent zu bekämpfen. Ihre Amtszeit war jedoch von mehreren Koalitionskrisen und Kabinettsumbildungen überschattet. Aus den vorgezogenen Wahlen im September 2023 ging erneut Robert Fico als Ministerpräsident der Slowakei hervor. Im Wahlkampf hatte sich Fico dafür eingesetzt, die Waffenlieferungen an die Ukraine zu beenden. Ebenso wie der Regierungschef des Nachbarlandes Ungarn, Viktor Orbán, gilt Fico als russlandaffin. Das Attentat auf Robert Fico im Mai 2024 zeigt die aufgeladene Stimmung innerhalb der polarisierten Gesellschaft des Landes.