Geschichte

Bayern und Ungarn: eine historische Beziehungsgeschichte

Bayern ist für Ungarn der älteste und beständigste Kontaktraum innerhalb des deutschen Beziehungsgeflechts.

Bedeutendstes Zeugnis der gemeinsamen Vergangenheit ist die Schlacht auf dem Lechfeld im Jahre 955, deren Ausgang deutschen Siegern und ungarischen Verlierern gleichermaßen den Weg zur Bildung der eigenen Nation und christlichen Staatlichkeit wies. Die Eheschließung zwischen Gisela von Bayern und Stephan aus dem Haus der Árpáden, dem im Jahr 1000 gekrönten ersten König des Staates Ungarn, begründete eine ideelle Tradition, die mit ihrer Werthaltigkeit europaweit Ihresgleichen sucht. Die früheste bayerisch-ungarische Freundschaft überdauerte den notgedrungen unrühmlichen Weggang Giselas aus Ungarn nach dem Tod ihres Gemahls und verband nach der Abtrennung der Ostmark vom Herzogtum Bayern Mitte des 12. Jahrhunderts zwei Völker, die nicht mehr unmittelbar benachbart waren. Im einstigen gemeinsamen Grenzgebiet stieg ab Ende des 13. Jahrhunderts das Imperium der Habsburger im Rahmen des Heiligen Römischen Reiches auf und übernahm die Führungsrolle im westlichen Umfeld Ungarns.

Doch nicht zuletzt das Dreierverhältnis mit Österreich im Zwischenland befähigte Bayern und Ungarn über die neuzeitlichen Epochen hinweg zu lebendigen und tatenreichen Begegnungen, die zumeist friedlich verliefen, manchmal aber Konflikte erzeugten. Sie dehnten sich vom politisch-rechtlichen über den kirchlichen bis hin zum wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Bereich auf zahlreiche Kommunikationsfelder aus. Beteiligt waren an ihnen Herrscher- und Adelshäuser ebenso wie bürgerliche Unternehmer, Künstler, Schriftsteller und Wissenschaftler – berühmte und gebildete Persönlichkeiten, aber auch namenlose und bildungsferne Schichten, die mit ihrem bayerischen oder ungarischen Hintergrund auf die beiderseitigen Beziehungen vielfach segensreich einwirkten.

Überregionale Ausdehnung, epochenübergreifende Dauer, wechselnde, in der Regel überaus ansprechende Qualität und inhaltliche Vielfalt sind also Grundkennzeichen der bayerisch-ungarischen Beziehungen – einer besonderen Nachbarschaft, die sich seit der ungarischen Staatsgründung wiederholt in entscheidende Abschnitte der europäischen Geschichte einordnet.

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