Geschäftschancen

Seit dem Jahr 2016 verzeichnet die Ukraine wieder reale Wachstumsraten. Wie in vielen Ländern, die sich in einem Transformationsprozess befinden, gibt es auch in der Ukraine viel Potenzial, aber auch einige Risiken.

Das größte Potenzial liegt heute sicherlich darin, dass sich die ukrainische Wirtschaft im Zuge des Assoziierungsprozesses mit der EU in einem drastischen Umstrukturierungsprozess befindet. Die Märkte östlich von der Ukraine werden zunehmend unzugänglicher, weil die Russische Föderation größtenteils aufgrund von technischen Barrieren die Einfuhr von Produkten, die in der Ukraine hergestellt werden, blockiert. Gleichzeitig wurde der Transitverkehr aus der Ukraine über Land nach Zentralasien verboten. Damit erscheint die Option, die Ukraine als Produktionsstandort für Osteuropa aufzubauen, in der aktuellen Lage weniger attraktiv.

Gleichzeitig wird die Ukraine sehr erfolgreich als Standort für die Produktion von Vorprodukten und Zulieferteilen für Fertigungsstandorte in der Europäischen Union genutzt. Allein die deutsche Automobilzulieferindustrie verfügt über mehr als 25 Tausend Arbeitsplätze im Westen der Ukraine. Darüber hinaus werden Zulieferteile für die deutsche Elektroindustrie, Anzüge, Handtaschen, Schuhe, Sport-Accessoires, Sitzbezüge, Baumaterialien etc. von deutschen Unternehmen in der Ukraine hergestellt. Wie stark die Einbindung der Ukraine in die Wertschöpfungsketten der EU schon entwickelt ist, verdeutlichen Zahlen des Zentralverbandes der Elektrotechnik und Elektroindustrie (ZVEI). Dieser berichtete schon für das Jahr 2013, vor Inkrafttreten des Assoziierungs- und Freihandelsabkommens, dass die Ukraine doppelt so viele Zulieferteile in die deutsche Elektroindustrie liefert wie der große Nachbar im Osten.

Insgesamt ist zu beobachten, dass sich die Ukraine in einem Prozess befindet, den die westlichen Nachbarn der Ukraine in Mitteleuropa vor mehr als 20 Jahren begonnen haben: Die Schwerindustrie verliert an Bedeutung, gleichzeitig tritt die Leichtindustrie an deren Stelle. Statt in Kohle und Stahl liegt die Zukunft der Ukraine heute eher in der verarbeitenden Industrie, wie der Lebensmittel- und Futterproduktion, der Bekleidungs- und Möbelindustrie sowie der Elektroindustrie.

Der dringend notwendige Ausbau der Infrastruktur bei Straße, Schiene, Luft- und Schifffahrt sowie der Energieversorgung wird in den nächsten Jahren zu milliardenschweren Investitionen in der Ukraine führen. Erste Projekte, die von internationalen Geldgebern, wie der Weltbank oder der EBRD, finanziert werden – zum Beispiel zur Krankenhausmodernisierung – haben bereits begonnen.

Auch die bessere Versorgung aus erneuerbaren Energiequellen sowie die energieeffizientere Ausrichtung von Industrie und privaten Haushalten ist für die Ukraine heute eine Frage der nationalen Sicherheit.

Möglichkeiten