Geschichte

Die ukrainische Geschichte reicht bis ins neunte Jahrhundert zurück. Lange Zeit war die Ukraine Spielball zwischen den drei angrenzenden Großmächten: Dem Litauisch-Polnischen Reich, dem Osmanischen Reich und dem Russischen Zarenreich.

Kosakentum

In diesem Spannungsfeld entstand das ukrainische Kosakentum, das nicht mit den russischen Donkosaken verwechselt werden sollte. Vom 16. bis 18. Jahrhundert galten die ukrainischen Kosaken als eines der gefürchtetsten Söldnerheere mit einer der schlagkräftigsten Kavallerien in ganz Mitteleuropa.

In der Zeit bevor sich in Europa in Folge der Französischen Revolution sowie der Napoleonischen Eroberungsfeldzüge, Nationalbewegungen herausbildeten, schlossen die ukrainischen Kosaken mit allen drei Großmächten – Polen, den Türken sowie Russland – immer wieder für kürzere oder längere Zeit Kriegs- und Friedenspakte. Sie dienten als Söldner am Hofe der Sultane der Hohen Pforte in Istanbul ebenso wie für die polnischen Könige und Adeligen, der Schlyakhta oder die russischen Zaren.

Die freiheitsliebenden Kosaken beugten sich lange Jahre nicht der russischen Vorherrschaft in der Südukraine. Diese hatte das Zarenimperium durch Eroberungskriege gegen das Osmanische Reich im 18. Jahrhundert eingenommen. Dadurch wurden diese zum Sicherheitsrisiko an der Südgrenze des russischen Imperiums. Im Jahr 1775 ließ Katherina die Große das Hauptquartier der ukrainischen Kosaken, die Saporoger Sich, umzingeln und vollständig vernichten.

Nationalbewegung und die Zeit der Weltkriege

Im 19. Jahrhundert entstand eine Nationalbewegung, deren Ziel es war, einen eigenen, unabhängigen ukrainischen Staat zu gründen. Vertreter dieser Nationalbewegung wurden von der Sowjetunion ebenso wie von den Regierungen der westlichen Nachbarstaaten verfolgt und machten auch nicht vor Mordanschlägen auf Vertreter dieser Regierungen halt.

Am Ende des ersten Weltkriegs wurde vor dem Hintergrund der Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk am 22. Januar 1918 die „Ukrainische Volksrepublik“ ausgerufen. Schon nach wenigen Jahren wurde das Land nach erneuten Kriegshandlungen unter den Nachbarstaaten aufgeteilt, sodass im Jahr 1922 ein Großteil der Ukraine an die UdSSR angeschlossen wurde. Dort war sie als der größte Agrarproduzent der Sowjetunion für die Versorgung mit landwirtschaftlichen Produkten und, mit ihrer Schwerindustrie im Osten, für die Bereitstellung von Stahl und Kohle verantwortlich.

Die Zerstörung der bäuerlichen und dörflichen Strukturen durch die sowjetische Kollektivierung in den dreisiger Jahren führte zu Hungersnöten – dem Holodomor, der Millionen Menschen der Landbevölkerung in der Ukraine das Leben kostete.

Im Zweiten Weltkrieg erlitt das Land infolge des erbarmungslosen Besatzungsregimes der deutschen Nationalsozialisten sowie ihrer Verbündeten weitere große Bevölkerungs­verluste.

Aufgrund der Beschlüsse der Siegermächte des Zweiten Weltkrieges kam es zur sogenannten „Westverschiebung“, wobei Polen für Gebiete, die es im Osten an die UdSSR abgeben musste, im Westen östliche Teile des Deutschen Reiches zugesprochen bekam. Dadurch entstand das ukrainische sowie auch das weißrussische Staatsgebiet in der heutigen Ausdehnung. Im Jahr 1954 bekam die Sowjetrepublik Russland im Rahmen eines Gebietstausches zwischen den Russischen und den Ukrainischen Sozialisten nördliche Gebiete der Ukraine und die Ukraine im Gegenzug die Krim zugeschlagen. Noch heute wird in einigen südlichen Landstrichen der Russischen Föderation, die damals von diesem Landtausch betroffen waren, ukrainisch gesprochen.

Die Ukraine nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion

Am 24. August 1991 führte der Zusammenbruch der Sowjetunion in Folge des misslungenen kommunistischen Putschversuches in Moskau zur ukrainischen Unabhängigkeit. In den ersten beiden Jahrzehnten der Unabhängigkeit gelang es der ukrainischen Nation allerdings nicht, sich vom slawischen Brudervolk im Osten abzunabeln – weder wirtschaftlich, noch politisch oder gesellschaftlich. Der erste große Schritt in diese Richtung war die Orangene Revolution im Winter 2004/2005, die sich vor allem durch Proteste auf dem Platz der Unabhängigkeit in Kiew auszeichnete. Damals fiel in der westlichen Presse das erste Mal das Wort "Maidan", was eigentlich nur das ukrainische Wort für "Platz" im Sinne einer urbanen Struktur ist.

Die Proteste waren durch die Vorwürfe von Wahlfälschung durch das Team um den Präsidentschaftskandidaten Janukowitsch ausgelöst worden.

In Folge der Orangenen Revolution kam es zu laufenden Konflikten in der Exekutive zwischen Staatspräsident Jushchenko, der als Wahlsieger bestätigt worden war, sowie der Premierministerin Timoshenko. Gleichzeitig wurde wenig gegen die strukturelle Korruption in der ukrainischen Gesellschaft unternommen. Dadurch diskreditierten sich die demokratischen Sieger der Orangen Revolution selber.

Im Zuge der ersten Ausrichtung des Eurovisions-Wettbewerbs in Kiew im Jahr 2005 gewährte die Ukraine einseitig Visumsfreiheit für EU-Bürger. Die EU zieht ihrerseits erst zwölf Jahre später nach und gewährt ukrainischen Staatsbürgern das Gleiche.

Im Jahr 2007 begannen die Verhandlungen zwischen der EU und der Ukraine – im Rahmen der östlichen Partnerschaft – zum Assoziierungsabkommen sowie Deep and Comprehensive Free Trade Agreement, die zu Beginn des Jahres 2013 offiziell abgeschlossen wurden.

Als der, inzwischen durch faire Wahlen an die Macht gekommene, Staatspräsident Janukowitsch diese Abkommen mit der EU in Vilnius im November 2013 nicht unterschrieb, riefen Journalisten und Vertreter der Zivilgesellschaft erneut zu Protesten gegen diese Entscheidung auf. Im Januar und Februar 2014 eskalierte die Situation und es gab insgesamt mehr als hundert Todesopfer sowie zahlreiche Vermisste und Verletzte. Ende Februar floh Staatspräsidentschaft Janukowitsch mit vielen Mitgliedern seiner Regierung nach Russland. Was anfangs noch als Euromaidan bezeichnet wurde, wird inzwischen "Revolution der Würde" genannt.

Kurz nachdem sich in Kiew eine neue Regierung gebildet hatte, bezeichnete die russische Regierung diese als "faschistisch" und begann gleichzeitig mit der völkerrechtswidrigen Besetzung der Krim. Kurze Zeit später breitete sich der ukrainisch-russische Konflikt auf Teile der östlichen Regionen Donezk und Luhansk aus.

Seit den Verhandlungen in Minsk im sogenannten "Normandie-Format" im Februar 2015 gab es keine Verschiebungen der Demarkierungslinie mehr, obwohl der in Minsk vereinbarte Waffenstillstand nicht eingehalten wird. Der Einfluss des Konfliktes auf die wirtschaftliche Entwicklung der Ukraine nimmt stetig ab, da sich die ukrainische Wirtschaft zunehmend auf andere Märkte konzentriert und unabhängiger von der russischen Wirtschaft wird.

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