Wirtschaftsbeziehungen

Deutschland konnte 2016 seine Position als größter EU-Handelspartner Vietnams verteidigen. Im letzten Jahr wurde ein Handelsvolumen von 10,3 Milliarden US-Dollar erzielt: Die Importe aus Vietnam stiegen um 33 Prozent auf 8 Milliarden US-Dollar, die deutschen Exporte nach Vietnam erreichten 2,3 Milliarden US-Dollar und stiegen um 15 Prozent.

Wichtigste vietnamesische Exportprodukte nach Deutschland sind Schuhe, Textilien, landwirtschaftliche Erzeugnisse (z.B. Kaffee und Pfeffer), Meeresfrüchte und mittlerweile auch Elektronikartikel und Möbel. Wichtigste Einfuhrprodukte aus Deutschland sind Maschinen, Fahrzeuge und Ausrüstungsgegenstände sowie Produkte der chemischen Industrie. Vietnam hat das Ziel, sich bis 2020 zum Industrieland zu entwickeln. Der damit verbundene Bedarf an höherwertigen Anlagen sollte sich in einer steigenden Nachfrage nach Produkten deutscher Maschinenbauer äußern.

Die Delegation der Deutschen Wirtschaft mit Büros in Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt ist Teil des AHK-Netzwerks. Die Delegation befindet sich in Ho-Chi-Minh-Stadt in einer Bürogemeinschaft mit der Deutschen Kaufmannschaft (German Business Association), in der sich über 180 deutsche Unternehmen zusammengeschlossen haben. Derzeit werden Verhandlungen zur Gründung einer deutsch-vietnamesischen Auslandshandelskammer geführt. Weitere Impulse erwarten deutsche und vietnamesische Unternehmen durch das 2015 abgeschlossene, derzeit im Ratifikationsverfahren befindliche Freihandelsabkommen zwischen der EU und Vietnam.

Im Moment sind circa 300 deutsche Unternehmen dauerhaft in Vietnam aktiv, bzw. stehen in laufenden Geschäftskontakten mit vietnamesischen Firmen. Wenn man sich die Statistiken der ausländischen Investoren in Vietnam ansieht, so nimmt Deutschland den 24. Rang (2015) ein. Allerdings definieren die Statistiken die Herkunft der Investition nach der Herkunft des Kapitals, was dazu führt, dass zahlreiche Großinvestitionen deutscher Unternehmen nicht als solche erfasst werden, sondern Staaten wie den Niederlanden, Österreich, Malaysia oder Singapur zugerechnet werden.

Ein starker Trend ist die Verlagerung bzw. Erweiterung der bestehenden Asien-Aktivitäten deutscher Firmen von China aus. Hier werden zuweilen die steigenden Lohnkosten in China als Motivation genannt, wobei aber ausdrücklich betont werden sollte, dass Vietnam nicht der preiswerteste Standort der Region ist. Das allein ist sicher kein ausreichendes Argument, um eine strategische Investitionsentscheidung für Vietnam zu treffen. Vielmehr sind die geographische Nähe zu China, die Zugehörigkeit Vietnams zu den verschiedenen Freihandelsbestrebungen sowie der Diversifizierungsgedanke die entscheidenden Faktoren.        

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